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Ein Meer von Regenschirmen, darunter 4000 Schüler, die in Innsbruck auf die Straße gingen.

Klima-Protesttag

"FridaysForFuture"-Demos: Schüler gehen für Klimaschutz auf die Straße

Am Freitag wurde das bisher größte Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. In mehr als 90 Ländern und insgesamt fast 1700 Städten gingen unter dem Motto „FridaysForFuture“ Schüler auf die Straße. 

In Innsbruck führte ab 10 Uhr die Demo von der Annasäule über die Museumstraße, den Hauptbahnhof und den Landhausplatz zurück in die  Maria-Theresien-Straße. Laut Polizei nahmen rund 4000, großteils junge, Demonstranten teil. Aus allen Landesteilen waren Schüler angereist.

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Schüler protestierten in ganz Frankreich

Auch in Frankreich sind Tausende Schüler auf die Straße gegangen. In der Hauptstadt Paris folgten mehrere tausend Menschen dem Aufruf der Klimaschutzbewegung "FridaysForFuture" rund um Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg - sie versammelten sich vor dem Pantheon und marschierten anschließend durch die Stadt.

"Our planet is getting hotter than young Leo" (dt. Unser Planet wird heißer als der junge Leo)

 stand auf einem Plakat mit dem Foto des US-Schauspielers Leonardo DiCaprio

"Bye bye pollution, bonjour revolution" (dt.: Tschüss Verschmutzung, hallo Revolution") 

war auf einem anderen zu lesen. Auch in anderen Städten Frankreichs wie Lyon, Rouen oder Clermont-Ferrand protestierten Schüler für einen besseren Klimaschutz. 

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hatte außerdem alle Schulen in Frankreich dazu aufgerufen, am späten Nachmittag Klimadebatten zu veranstalten.

Erst am Donnerstag hatten vier Umweltorganisationen angekündigt, den französischen Staat wegen Untätigkeit beim Klimaschutz vor Gericht zu bringen. Die Klimaschutzbewegung "L'Affaire du siecle" (dt. sinngemäß: die Jahrhundertfrage) hatte eine Beschwerde beim Pariser Verwaltungsgericht eingereicht. Sie wirft der Regierung vor, ihren Verpflichtungen bei der Bekämpfung der Erderwärmung nicht nachzukommen.

Belgische Aktivistin: Die Bewegung wächst immer weiter

Tausende Kinder und Jugendliche haben sich auch in Belgien an den weltweiten Protesten beteiligt. Die Bewegung wachse immer weiter, sagte die belgische Klimaaktivistin Anuna De Wever laut Nachrichtenagentur Belga. Immer wieder würde sie gefragt, ob der Protest nicht bald aufhöre. Stattdessen kämen jede Woche erneut Tausende junge Menschen zusammen.

Auch die EU-Kommission sprach den demonstrierenden Schülern ihre Unterstützung zu. 

"Unsere Nachricht an die Jugend ist, dass wir euch hören und genau das machen, was die Jugend fordert", 

sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Freitag. Die EU hätte sich beispielsweise sehr für das Zustandekommen des Pariser Klimaabkommens 2015 eingesetzt.

Die jungen Demonstranten standen in der belgischen Hauptstadt im Regen und riefen ihre Slogans. Auch in anderen belgischen Städten gingen sie auf die Straße, anstatt zur Schule. In der Stadt Gent protestierten laut Belga rund 3300 junge Menschen, in Antwerpen 2800 und in Lüttich 800. In Gent forderten sie Politiker mit Sätzen wie diesen zum Handeln auf: 

"Warum sollten wir zur Schule gehen, wenn Sie nicht auf die Fachleute hören?" 

Auch zitierten sie den US-amerikanischen Bürgerrechtler Malcolm X

"Die Zukunft gehört denen, die sich heute dafür vorbereiten."

Demos in 29 Städten in Polen

In Polen waren Demos in mindestens 29 Städten angekündigt. Vor dem Warschauer Energieministerium versammelten sich nach Medienangaben mehr als 1000 junge Demonstranten. 

Zuvor waren die Jugendlichen von lauter Musik begleitet durch die Hauptstadt gezogen. Polens Regierung steht wegen zahlreicher Umweltsünden bei Aktivisten in der Kritik. 

Trotz schädlicher Auswirkungen für Umwelt und Klima halten die Nationalkonservativen beispielsweise an Kohle als Hauptenergielieferanten fest. Derzeit werden daraus etwa 80 Prozent des Stroms in Polen erzeugt.

Tausende Jugendliche bei Demos in Bayern

Auch in Bayern haben Tausende Schüler und Studenten für eine nachhaltigere Klimaschutzpolitik demonstriert. Allein in München waren es laut Polizei zeitweise 10.000 Teilnehmer - doppelt so viele wie erwartet. Auch in rund einem Dutzend weiteren Städten im Freistaat gab es Aktionen der Bewegung #FridaysForFuture. Diesmal beteiligten sich an den Demos weit mehr Personen und Städte als bisher. Neben Schülern und Studenten nahmen auch Lehrer und Eltern sowie Kindergartengruppen teil.

Die bayernweiten Kundgebungen waren Teil eines „Globalen Streiks für die Zukunft“, der diesen Freitag in über 120 Ländern lief. Die Schüler fordern unter anderem den Kohleausstieg und eine Verkehrswende. 

„Wir sind es leid, dass der Klimawandel nicht als die Gefahr angesehen wird, die er für uns und nachfolgende Generationen darstellt“, 

sagte ein Erlanger Mitorganisator.

Auch die Griechen gehen auf die Straße

In Griechenland protestierten Hunderte Schüler in Athen und Thessaloniki, aber auch auf Kreta und anderen Inseln für mehr Klimaschutz. 

"Rettet den Planeten - ein anderes Zuhause haben wir nicht!", 

skandierten Kinder und junge Leute in der Hauptstadt auf dem Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament. 

"Auch wenn es den anderen gleichgültig ist - wir versuchen es!", 

verkündeten die Organisatoren vor nur rund 200 Demonstranten, die in Athen zusammenkamen.

Junge Dänen "hüpfen" für den Klimaschutz

Auch in Dänemark demonstrierten zahlreiche Schüler für mehr Klimaschutz. Hunderte junge Menschen und teils auch ihre Eltern kamen anlässlich der internationalen Klimaproteste vor dem Schloss Christiansborg in Kopenhagen zusammen, in dem unter anderem das dänische Parlament sitzt. Auf ihren Protestschildern forderten die Demonstranten, dass Dänemark mehr Verantwortung in der Klimakrise übernehmen solle.

 "Alle, die hüpfen, wollen eine Zukunft", 

riefen sie springend. Wegen der hohen Teilnehmerzahl warnte die Polizei vor Verkehrsproblemen. Insgesamt waren für den Tag Kundgebungen in mindestens 27 dänischen Städten geplant.

Regierungschef Lars Lökke Rasmussen lobte die Proteste. 

"Es ist unglaublich schön, zu erleben, dass sich unsere Jugend engagiert", 

sagte er in einem Interview des Senders TV2. Zu der Ansicht der Demonstranten, dass Politiker nicht genug fürs Klima tun, sagte er: "Ich glaube, das tun wir." Der internationale Klimakampf werde aber nicht allein in Dänemark gewonnen.

Schulfrage bleibt Streitpunkt

Diskussionen gab es, wie die Schulen mit den Protesten während der Unterrichtszeit umgehen sollten. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hätte eine "schlichte österreichische Antwort" präferiert, wie er in Innsbruck betonte:

"Macht doch die Demos nach Schulschluss um 13 oder 14 Uhr." 

In Wien waren ganze Volksschulklassen samt Lehrern und begleitenden Eltern mit von der Partie, Oberstufenschüler dagegen meist in Gruppen mit einigen Klassenkameraden unterwegs. An manchen AHS wurde signalisiert, dass ein Mitgehen bei der Demo zwar streng genommen kein Grund für ein Fernbleiben von der Schule darstellt - Konsequenzen gibt es bei Zuwiderhandeln aber keine.

Der Schulschwänz-Paragraph im Schulpflichtgesetz sieht zwar vor, dass Schulleiter durchaus "geeignete Maßnahmen" setzen können, um Schulpflichtverletzungen hintanzuhalten - auch wenn sie unterhalb von drei Tagen liegen. In Betracht kommen aber zunächst nur Aufforderungen, Zurechtweisungen, die Erteilung von Aufträgen zur nachträglichen Erfüllung versäumter Pflichten bzw. Beratungs-und Belehrungsgespräche mit Schülern und Eltern. Erst bei groben oder wiederkehrenden Verfehlungen darf eine Verwarnung ausgesprochen werden.

Schüler-Demos in über 100 britischen Städten

Von Nordschottland bis Südengland: In mehr als 100 britischen Städten haben Schüler am Freitag für den Klimaschutz demonstriert. In London zogen hunderte Kinder und Jugendliche zu einem Platz vor dem Parlament. Der britische Umweltminister Michael Gove unterstützte die Kundgebungen und sprach zu den jungen Demonstranten in einer Videobotschaft. 

Plakate der Schülerproteste: Eine Auswahl

  • „Die Zeit rennt, ihr pennt.“
  • „Make the Planet Greta again.“
  • "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit.“
  • „Kurzstreckenflüge nur für Insekten.“
  • „Verbrennt Kalorien, keine Kohle.“
  • „Lasst uns baden gehen, das Meer kommt.“
  • „Opa, was ist ein Schneemann?“
  • „Korallen statt Kohle“

Teilnehmerzahlen im Bundesländer-Vergleich

  • Wien: rund 10.500
  • Innsbruck: rund 4000
  • Linz: rund 3000
  • Bregenz: rund 1500
  • Graz: rund 1300
  • Klagenfurt: rund 1000 
  • Salzburg: rund 1000
  • Eisenstadt: rund 60
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