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Snowden live

Edward Snowden live in Innsbruck

Der wohl bekannteste Whistleblower unserer Zeit, Edward Snowden, trat am Donnerstag erstmals in Österreich auf - per Video-Liveschaltung im Congress Innsbruck. Seit seinen Enthüllungen über die beispiellose Massenüberwachung von Bürgern weltweit im Jahr 2013 ist Snowden einer der meistgesuchten Männer der Welt und lebt in Russland im Exil.

Snwoden wurde bei einer Veranstaltung des MCI im Congress Innsbruck live aus Russland zugeschaltet und beantwortete Fragen. Die Tiroler Tageszeitung und die Austria Presse Agentur fungierten als Medienpartner.

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Simon Hackspiel
Monika Schramm
Matthias Sauermann
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Stehende Ovationen für Edward Snowden

Edward Snowden wird mit stehenden Ovationen vom Publikum verabschiedet.

Snowdens finaler Appell

"Diese ganze Exil-Geschichte war Glück, nicht großartige Planung. Lindsay hat das alles aus dem Fernsehen erfahren. Und stellen sie sich vor: sie hat gesagt, dass sie sich da erneut in mich verliebt hat. Und sie ist immer noch bei mir.

Wenn wir an etwas glauben, dann gibt uns das Kraft und Mut, die es braucht, etwas zu tun. Es war es wert. 

Take a risk, take a chance and you realize, that's the only thing life is really about!"

"Ich habe eigentlich gedacht, im Gefängnis zu landen"

Frage: 

"War es das wert? Und würden Sie das noch einmal tun?"

Antwort Snowdens:

"Man schaut zurück und denkt sich: Ich hatte ein schönes Leben. Mir fehlte es an nichts. Stellen Sie sich die Frage: Was würde es brauchen, damit Sie ein Streichholz nehmen und Ihr Leben zu Grunde brennen?

Ich habe mir gedacht, wenn ich nichts tue, und jeden Tag in die Arbeit gehe und nichts sage: Was würde das aus mir machen? Was wäre, wenn wir nie erfahren hätten, was eigentlich vor sich geht?

Ich habe den Punkt erreicht, an dem ich mir gedacht habe: ich wäre nicht nur egoistisch wenn ich nichts sagen würde, sondern ich würde meine Interessen verletzen. Und Lindsay, meine Frau. Ich konnte diese Entscheidungen nicht für sie treffen.

Ich habe eigentlich gedacht, im Gefängnis zu landen. Jetzt lebe ich im Exil. Ich weiß nicht, ob ich das alles nochmal machen würde. Ich würde das gerne sagen, aber ich weiß es nicht."

Tibbo: "Hongkong ist ein sehr herausfordernder Ort geworden"

Frage an Robert Tibbo: 

Wie hat sich Ihre Arbeit/Reise verändert seit Sie mit Edward Snowden arbeiten?

Robert Tibbo:

"Ich habe die Entscheidung getroffen. Und ich reise viel in meiner Arbeit. Sagen wir es so: Hongkong ist ein sehr herausfordernder Ort geworden. Also reise ich viel an Orte, an denen ich lieber bin."

"Stellen Sie sich vor, vor Ihrer Tür steht der meistgejagte Mensch der Welt"

Frage von Anwalt Robert Tibbo: 

"Nach diesem Aufruf an Studenten - wollten Sie etwas über die 'Snowden Refugees' sagen? Was diese für Sie getan haben?"

Antwort Snowdens: 

"Ich bin deshalb heute hier. Als ich in Hongkong war, war die Situation für mich extrem. Es gab keinen Platz, mich zu verstecken oder zu flüchten. Ich war nackt, bis auf meine Ideen und die Leute um mich herum.

Diese Leute haben in Hongkong um Asyl angesucht. Sie wussten was es heißt, verfolgt zu werden.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen nach Hause und vor der Tür steht der meistgejagte Mensch der Welt. Würden Sie ihn hinein lassen?

Diese Leute haben die Tür geöffnet, sie haben mir geholfen. Als das klar wurde, bekamen sie statt einer bevorzugten Behandlung eine negative. Wir versuchen ihnen jetzt zu helfen und Geld zu sammeln. Diese Leute hatten nichts und haben alles riskiert, um das Richtige zu tun.

Wenn Sie helfen können, bitte tun Sie das!"

Nicht auf einen anderen Helden warten

Frage: 

"Ein Wunsch an unsere Studenten?"

Antwort:

"Ich hab das alles (Anm. die Überwachung) gesehen und ich habe jahrelang nichts gemacht. Zuerst habe ich es nicht gesehen, dann habe ich es gesehen und gedacht es sei nicht so wichtig.

Ich wartete auf einen Helden. Es gibt nicht viele Helden, nur heroische Entscheidungen. Ich wollte nicht der Erste sein, ich habe auf einen Helden gewartet. Ich wollte, dass jemand anderes den ersten Schlag abbekommt.

Aber wir müssen keine Helden sein, weil wir nicht allein sind. Es gibt keinen Grund, warum jeder einzelne von uns nicht der Erste sein könnte. Einer muss immer der Erste sein, muss bereit sein, den ersten Schlag abzubekommen. 

Es kann etwas kleines sein. Unterstütze die Menschen um dich herum. Beobachte die Welt um dich herum. Wenn du einmal in der Position bist, die Welt positiv zu ändern, dann tu es!"

"Ich wollte mit meinen Enthüllungen keinen Schaden anrichten"

Frage: 

"Wenn Sie etwas verändern könnten - was wäre es?"

Antwort Snowdens: 

"Das ist nicht meine Aufgabe. Ich habe natürlich starke Meinungen darüber, was richtig und was falsch ist. Aber ich stehe mitten in der Diskussion. Was verändert werden soll, muss die Allgemeinheit entscheiden.

Ich wollte mit meinen Enthüllungen keinen Schaden anrichten. Deshalb habe ich mich an Journalisten gewandt. Die sich damit beschäftigen und auch entscheiden konnten, etwas nicht zu publizieren.

Es sollte nichts veröffentlicht werden, nur weil es neu war. Die Veröffentlichungen sollten der Bevölkerung dienen."

"Moral hat keinen Platz"

Frage: 

"Was würde passieren, wenn Sie sich stellen würden? Was wäre die Reaktion?"

Antwort Snowdens: 

"Leider wissen wir, wie es ausgehen würde. Es gibt keinen Unterschied zwischen Menschen, die für China oder andere Länder spionieren und dem, der Geheimdokumente an Journalisten übergibt, weil er glaubt, die Öffentlichkeit sollte Bescheid wissen."

Die Strafe liegt bei bis zu zehn Jahren pro Dokument. Die US-Regierung hat klar gemacht: Es ist egal, ob etwas richtig oder falsch ist. Moral hat keinen Platz. Was legal ist, ist nicht immer moralisch. Was moralisch ist, ist nicht immer gesetzeskonform."

"Ich kann nicht sagen, dass ich in Russland sicher bin"

Frage: 

"Wie sieht Ihr Tagesablauf in Russland aus?"

Antwort Snowdens: 

"Viele interessieren sich für mich. Aber es gibt auch viele, die skeptisch sind, weil ich in Russland bin. Ich wollte eigentlich nicht hierher.

Ich habe keine Verbindung mit der russischen Regierung. Ich habe sie kritisiert, auch den Präsidenten. Den Wahlprozess. Ich werde das auch weiterhin tun.

Mein Fokus ist aber nicht Russland. Russland ist nicht meine Heimat, sondern mein Exil. Die USA sind meine Heimat.

Wir versuchen, neue Instrumente zu schaffen, um Journalisten zu schützen. Auch um Quellen zu schützen. Das ist mir wichtig.

Ich kann nicht sagen, dass ich in Russland sicher bin. Aber ist das eigentlich relevant?"

Edward Snowden:

"Wenn ich es vorgezogen hätte in Sicherheit zu leben, säße ich jetzt auf Hawaii, würde jede Menge Geld machen und jeden bespitzeln."

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