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Foto: Rudy De Moor

Bischof im Chat

Bischof Hermann Glettler im TT-Chat

Ein Jahr Bischof in Tirol: Der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler beantwortete am Donnerstag im Chat auf TT.com von 15 bis 16 Uhr die Fragen der TT-Leser.

Hier die Nachlese: 

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Hermann Glettler
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Hermann Glettler:

Ich danke allen, mit denen ich jetzt im Gespräch sein konnte, und hoffe auf eine baldige Fortsetzung in dieser Art der Kommunikation. Leider konnte ich aus Zeitgründen nicht auf alle Fragen eingehen. 

Ich wünsche Ihnen allen noch eine schöne, hoffentlich auf irgendeine Weise entlastende Adventszeit und ein erfrischendes Weihnachtsfest! 

Ihr Bischof Hermann Glettler

Hermann Glettler:

Ich habe schon als Zwölfjähriger sehr ernsthaft davon gesprochen, einmal Pfarrer zu werden. Von einem außergewöhnlichen Berufungserlebnis, dass mir den göttlichen Wink für meine Berufswahl gegeben hätte, kann ich nicht berichten. Sehr wohl hatte ich als Jugendlicher zunehmend den Eindruck, als Priester gebraucht zu werden. Diese innere Überzeugung ist gewachsen. Ganz entscheidend für mich waren auch Einkehrtage für Jugendliche, bei denen ein Priester aus Wien in einer sehr persönlichen - und für mich berührenden - Weise über die Person Jesus gesprochen hat. 

Im Laufe der weiteren Jahre war es für mich auch wichtig, viel mit meinen Freunden und Schulkollegen über die Berufung zu diskutieren.

Gerne möchte ich jungen Leuten Mut machen, sich auf ein direktes Gespräch mit Jesus einzulassen und sich der Frage einer geistlichen Berufung zu stellen. Liebe junge Leute, ihr werdet gebraucht!

Frage

Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden und wollten Sie schon immer Pfarrer werden?

Hermann Glettler:

Martinsbühel und andere ähnliche Kinderheime und Internate - ob von Kirche oder staatlich geführt - sind aus meiner Warte Beispiele für ein pädagogisches Totalversagen. Und ich füge hinzu, dass dieser Ausdruck nicht ausreicht, um dem Leid, das dort Kindern und Jugendlichen zugefügt wurde, auch nur annähernd gerecht wird. 

Die dort tätig waren, hatten oft eine extrem mangelhafte pädagogische Ausbildung und keinerlei psychologische Begleitung, die es gerade für den Umgang mit Kindern, die aus belastenden Familiensituationen gekommen sind, in solchen Häusern gebraucht hätte.

Eine ganz große Zahl von Opfern und Betroffenen hat sich in den vergangenen Jahren bei der Opferschutzkommission gemeldet. Nahezu allen wurde eine finanzielle Entschädigungszahlung gewährt. Natürlich kann damit kein erlittenes Leid aus der Welt geschafft werden. 

Ich bin als relativ neuer Bischof verantwortlich für eine Diözese, die seit 2010 eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen hat, um den Missbrauch von Schutzbedürftigen gänzlich auszuschließen: Einrichtung einer diözesanen Opferschutzkommission und Ombudsstelle, sowie eine Fülle von Präventivmaßnahmen.

Frage

Was bzw. wie gedenken Sie bezüglich den Zuständen im Kinderheim Martinsbühel in Zirl bis ins Jahr 2007 weiter vorzugehen? Wie ist Ihr persönlicher Zugang zu diesem sehr belastenden Thema? Welche Handlungsmöglichkeiten der Kirche sehen Sie?

Hermann Glettler:

Grundsätzlich möchte ich sagen: Es ist leichter, Politiker zu kritisieren als eine gute Politik zu machen. Ich habe Respekt vor allen Frauen und Männern, die sich in unserer Wohlstandsgesellschaft zur Verfügung stellen, um das Gemeinwohl ausgewogen und annähernd gerecht zu organisieren.

Konkret: Ich finde den Reformansatz der Regierung grundsätzlich richtig, wünsche mir aber in einigen Bereichen ein sorgfältigere Vorgehen und nicht eine übereifrige Eile, wo es tatsächlich passiert, dass wichtige Überlegungen oder auch eine sozialpartnerschaftliche Traditionen auf der Strecke bleiben.

In den Fragen der Asylpolitik habe ich mich bereits mehrmals zu Wort gemeldet. Ich finde es gefährlich, wenn sich in der Rede über Fluchtreisende und Asylsuchende eine Härte einschleicht, die diesen Menschen Unrecht tut. Auch wenn jemand auf Grund einer persönlichen Perspektivenlosigkeit und wirtschaftlichen Notlage sein Land verlassen hat, ist er deshalb nicht als Illegaler oder Krimineller zu verdächtigen. 

In der verschärften Praxis der Abschiebung von jungen Leuten, die in einer Ausbildung stehen, bin ich mit vielen anderen konträr zur Position unserer Regierung. Es ist aus volkswirtschaftlichen und humanitären Gründen unverständlich, Menschen wegzuschicken, die wir gut brauchen könnten. Beziehungsweise sie damit ein zweites Mal zu entwurzeln.

Frage

Wie sehen Sie die aktuelle politische Lage in Österreich? Was finden Sie positiv, was stört Sie?

Hermann Glettler:

Diese Frage wurde zum letzten Mal ernsthaft und ausführlich unter den Landeshauptmännern Eduard Wallnöfer und Herwig van Staa diskutiert. 

Aber ;-): Was die Ziller trennt, sollte man nicht zusammenführen ....

PS: Ihr Kirchenbeitrag ist in der Erzdiözese Salzburg bestens aufgehoben.

Frage

Kirche und Land sollten meiner Meinung nach etwas näher zusammenrücken. Wünschenswert wäre eine Diözese Tirol. Gibt es Hoffnung, den Kirchenbeitrag nach Innsbruck einzubezahlen und nicht nach Salzburg zu schicken?

Hermann Glettler:

Am Heiligen Abend werde ich am Nachmittag einen Gottesdienst auf der Hospizstation in Hall feiern. Das ist für mich der stille Höhepunkt von Weihnachten, denn es gibt kaum einen Ort, wo die Schönheit und Zerbrechlichkeit des Lebens deutlicher vor Augen tritt. 

Am Abend werd ich noch bei einem einfachen Abendessen mit Obdachlosen dabei sein. Das ist zugegeben natürlich nur eine symbolische Geste. Aber ich bin dankbar, dass wir doch einige großartige Einrichtungen, Vereine und vor allem Menschen haben, die jenen Nähe und Unterstützung geben, die es schwer im Leben haben. 

Die Christmette werde ich im Tiroler Oberland feiern - den Ort verrate ich nicht. Das ist eine gute Tradition meiner bischöflichen Vorgänger: In der Weihnachtsnacht soll der Bischof hinausfahren und in einer "normalen" Dorfkirche feiern.

Am Christtag feiere ich selbstverständlich das Hochamt im Dom. Danach werde ich in die Stiermark aufbrechen, um ein paar Tage in meiner ehemaligen Heimat zu verbringen. 

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