đŸ‘Ș Eltern warnen vor RĂŒckkehr zu Schul-Strukturen "von gestern"

Elternvertreter haben am Donnerstag vor der Idee gewarnt, man könne zu einer Schule zurĂŒckkehren wie sie vor Corona ausgesehen hat. "Die Welt ist eine andere geworden, es gibt kein ZurĂŒck", betonte Christoph Drexler vom Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV). Statt "Strukturen von gestern" brauche es einen Fokus etwa auf mentale und körperliche Gesundheit der SchĂŒler, Problemlösungskompetenz, Möglichkeiten zur Entfaltung und Freude am Lernen.

▶ Der Beginn der Pandemie sei ein "positiver Funke" fĂŒr das österreichische Schulsystem gewesen, konstatierte der Vorarlberger Landesverbandsvorsitzende Martin Wolf bei der Pressekonferenz in Wien. Plötzlich sei es um Zukunftskompetenzen wie Eigenverantwortung, Selbstorganisation, Empathie und Eintreten fĂŒr andere gegangen. Eineinhalb Jahre spĂ€ter seien diese allerdings von Resignation, Dienst nach Vorschrift, Druck und Frust abgelöst worden. Viele zukunftsrelevante Unterrichtselemente wie KreativitĂ€t, Praxistage, KreativitĂ€t oder Einbindung externer Experten seien in der Pandemie reduziert oder gestrichen worden. Gleichzeitig hĂ€tten psychische Erkrankungen, Bewegungsmangel und Motivationsverlust zugenommen.

▶ Der Bundeselternverband fordert angesichts dieser Befunde, mehr Energie in einen Umbau des Schulsystems zu stecken, das den wahren Interessen der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler entgegenkomme. Derzeit versuche das Bildungsministerium, die Interessen der Kinder in das bestehende System hineinzupressen statt dieses zu verĂ€ndern, beklagte Wolf. Der Salzburger Landesverbandsvorsitzende Helmuth SchĂŒtz betonte auch die Vorbildwirkung der Erwachsenen im weiteren Umgang mit der Pandemie, denn es sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, wenn Kinder und Jugendliche mit einem GefĂŒhl der Angst und Unsicherheit ins Leben entlassen werden.

▶ In der Schule mĂŒssten die Kinder und Jugendlichen kĂŒnftig stĂ€rker die Möglichkeit bekommen, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, Problemlösung, Selbstorganisation und Eigenverantwortung zu erlernen und mit Neugier und Freude zu lernen, so die Forderung des BEV. Als notwendige Rahmenbedingung dafĂŒr mĂŒssten Lehrer stĂ€rker miteinander kooperieren als bisher. Außerdem brauche es mehr projektbezogenen und fĂ€cherĂŒbergreifenden Unterricht, der vor allem fĂŒr Themen wie Umweltschutz geeignet ist, die den SchĂŒlern ein besonderes Anliegen seien. Außerdem im Forderungskatalog: StĂ€rkere Einbindung von außerschulischen Experten (Unternehmen, NGOs etc.) und eine "Öffnung zu den echten Themen des Lebens", Gesundheitsvorsorge an den Schulen (School Nurses), flĂ€chendeckender Ausbau von Schulsozialarbeit und -psychologie und eine Entlastung der Lehrer von Verwaltung. Der Appell des BEV richte sich dabei nicht allein an das Bildungsministerium, betonte der Wiener Landesverbandssprecher Marcus Dekan. Auch Familien- und Gesundheitsministerium seien hier gefordert.

▶ Mit dem Bildungsministerium sei man in stĂ€ndigem Austausch zu diesen Fragen, betonte Drexler auf Nachfrage. Baldige Änderungen im Sinne des BEV erwartet er allerdings nicht. So sieht er die Verschiebung der SchulentwicklungsplĂ€ne, die jĂŒngst im Rahmen der Entlastung der Lehrer von Verwaltungsausgaben verkĂŒndet wurde, skeptisch. Bei der angekĂŒndigten Lehrplanreform wiederum wĂŒrden Mitarbeiter des Bildungsministeriums zwar das Schulsystem weiterentwickeln wollen, gleichzeitig gebe es aber gegenteilige Signale, indem ein RĂŒtteln an den Stundentafeln quasi ausgeschlossen wird. Dabei sollte gerade der PĂ€dagogenmangel als Möglichkeit gesehen werden, hier offener zu denken als bisher.