đŸ„ "Dramatische Situation" an Vorarlbergs SpitĂ€lern: Triage nicht auszuschließen

Die große Zahl von Corona-Patienten könnte bald die KapazitĂ€tsgrenzen der Vorarlberger SpitĂ€ler ĂŒbersteigen.

▶ Die Situation sei "dramatisch", so die Verantwortlichen. Man sehe sich zu drastischen Schritten gezwungen und mĂŒsse den Regelbetrieb weiter einschrĂ€nken. Man konzentriere sich nun ausschließlich auf Notfallmedizin und die Versorgung von Covid-19-Patienten, Triage in den kommenden Tagen sei "nicht auszuschließen"

▶ In Vorarlberg sind von den von 51 auf 63 aufgestockten Intensivbetten derzeit 46 belegt, 35 davon mit Covid-19-Patienten. Davon mĂŒssten 20 beatmet werden. Damit stĂŒnden noch 17 Intensivbetten fĂŒr alle Patienten zur VerfĂŒgung, informierten die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) und das Stadtspital am Freitag bei einer Pressekonferenz. Gerald Fleisch, Leiter der KHBG, der intensivmedizinische Koordinator Wolfgang List und Intensivpfleger Jakob Köb appellierten neuerlich an die Bevölkerung, sich an die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen zu halten und einen Beitrag zum Absinken der Fallzahlen zu leisten. Fleisch beschrieb die die "Wetterlage" an den SpitĂ€lern:

"Es sind Ă€ußerst dunkle Wolken, eine stĂŒrmische Zeit. Spitalzahlen sind nicht diskutierbar. Sie sind ein untrĂŒgliches und objektives Zeichen fĂŒr die Dramatik dieser Covid-Phase."

Derzeit werden in Vorarlberg 183 Corona-Erkrankte stationĂ€r betreut, fĂŒr Fleisch "eine erschreckende Zahl", zumal mit einer weiteren Zunahme zu rechnen sei. 284 der 432 Normalbetten seien fĂŒr die Behandlung von Covid-19-Patienten noch verfĂŒgbar. 16 Personen konnten am Freitag entlassen werden. 220 Spitalmitarbeiter sind derzeit SARS-CoV-2-positiv oder in QuarantĂ€ne. Teilweise seien Stationen auf den SpitĂ€lern gesperrt, weil Mitarbeiter fehlten.

▶ Es mĂŒsse daher nun der Regelbetrieb weiter zurĂŒckgefahren werden, Operationen wĂŒrden auf das nötige Mindestmaß eingeschrĂ€nkt. Fleisch betonte:

"Es betrifft jetzt alle."

Wenn nĂ€chste Woche ein Verkehrsunfall mit mehreren Polytraumen geschehe, könnte es sein, dass das System an seine Grenzen stoße, verdeutlichte er. Die Mitarbeiter leisteten derzeit "unglaubliches", man bitte auch fĂŒr sie um SolidaritĂ€t. Die Sicherheit, dass das Gesundheitswesen fĂŒr jeden da sein werde, "kann es in wenigen Tagen nicht mehr geben", warnte Fleisch. Die Vorarlberger mĂŒssten sich nun einen "g'höriga Ruck" geben. Eine Prognose wagte er nicht, die Lage sei "hochlabil, kann jederzeit kippen".

▶ Laut Wolfgang List sind nach wie vor allem Ă€ltere Patienten mit Begleiterkrankungen auf den Vorarlberger Intensivstationen. Die Patienten kĂ€men geschwĂ€cht und mit Atemnot ins Spital, wo man alles versuche, die Sauerstoffzufuhr ins Blut zu verbessern. Sei es medikamentös, per Atemmaske oder ĂŒber invasive Beatmung:

"Wir können aber nach wie vor kein Wundermedikament bieten."

Sei eine invasive Beatmung nötig, erfordere das sehr kompetentes Personal, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Manche Patienten hÀtten sehr lange VerlÀufe mit intensivstationÀren Aufenthalten von 40, 50 Tagen.

▶ Das habe Auswirkungen auf die Ressourcen und daher rĂŒhrten auch die BefĂŒrchtungen der Intensivmediziner österreichweit. Liste warnte:

"Wir könnten schon im November an unsere KapazitĂ€tsgrenzen stoßen."

Vor einer Triage stehe noch die Bitte um Hilfe aus dem Ausland, da aber auch die NachbarlĂ€nder derzeit in Ă€hnlicher Lage seien, könnte eine Behandlung dort höchstens fĂŒr EinzelfĂ€lle eine Lösung sein. Einen Wechsel in die "Katastrophenmedizin" wolle niemand, auch wenn man sich bereits seit dem FrĂŒhjahr in enger Zusammenarbeit aller auf diese Möglichkeit vorbereite. Man mĂŒsse alles tun, um das zu verhindern, appellierte List. Hier sei jeder Einzelne gefragt.