💬 Tiroler Philosophin warnt bei "GrĂŒnem Pass" vor falschen Signalen

Die Innsbrucker Philosophin Marie-Luise Frick warnt vor SchnellschĂŒssen, was Privilegien fĂŒr gegen Covid-19-Geimpfte, Genesene und Getestete betrifft. Über Impfprivilegien mĂŒsse nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus ethischer Perspektive diskutiert werden. Bevor nicht wissenschaftlich bewiesen sei, dass die verwendeten Impfstoffe vor der Ansteckung anderer schĂŒtzen, wĂŒrde man mit Impfprivilegien riskieren, "falsche Signale" zu senden, meinte Frick im APA-Interview.

▶ Es gĂ€be noch viel KlĂ€rungsbedarf, so die auf Rechtsphilosophie und Ethik spezialisierte Professorin. Auch wie lange der Schutz durch Impfungen anhĂ€lt, sei noch nicht geklĂ€rt. Studien der zugelassenen Impfstoffe wĂŒrden "schließlich noch laufen", war die Philosophin der Meinung.

Damit teile sie die Bedenken des Deutschen Ethikrats, der im JĂ€nner 2021 in einer Pressemitteilung betonte, dass sich "zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt" die "individuelle RĂŒcknahme staatlicher FreiheitsbeschrĂ€nkungen" schon allein deshalb verbiete, "weil die Möglichkeit einer Weiterverbreitung des Virus durch Geimpfte nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden kann".

▶ Im geplanten EU-Entwurf seien Privilegien nicht nur fĂŒr Geimpfte, sondern auch fĂŒr Genesene und Getestete vorgesehen, bezog sich Frick auf die aktuellen Debatten. Letztere sah sie als eine "benachteiligte Gruppe", da der "GrĂŒne Pass" fĂŒr getestete Personen "nur fĂŒr Tage gĂŒltig sein dĂŒrfte".

Der Entwurf werfe jedenfalls "eine Vielzahl an Fragen" auf. Vor allem mĂŒsse man "die Aussagekraft" eines "GrĂŒnen Passes" bedenken. Sie fĂŒrchte, dass hier etwa Anreize gesetzt werden könnten, die Menschen dazu animieren könnten, sich anstecken zu lassen, um dann - zumindest ĂŒber einen gewissen Zeitraum - mehr Freiheiten zu genießen.

"Gerade junge Menschen, die am lĂ€ngsten auf die Impfung warten mĂŒssen, könnten sich sagen, bevor ich tĂ€glich teste, hole ich mir die Infektion und habe dann einen 'GrĂŒnen Pass', der mehrere Monate gĂŒltig ist."

▶ ZusĂ€tzlich ortete die Philosophin "eine Ungleichbehandlung, die begrĂŒndungsbedĂŒrftig ist". Besonders heikel sei, dass aufgrund des "schleppenden Impftempos" viele Menschen nicht geimpft werden, die sich aber gerne impfen lassen wĂŒrden. Solange es zu wenig Impfstoff gibt, werde die Ungleichheit zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften "durch die politischen EntscheidungstrĂ€ger erzeugt", erklĂ€rte Frick.

"Der Staat entscheidet letztlich, wer wann in die Elite aufgenommen wird und als Geimpfter mehr Freiheit genießt."

Zudem mĂŒsse man auch bedenken, dass einige Bevölkerungsgruppen gar nicht geimpft werden können:

"Schwangere, Jugendliche unter 16 Jahren oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen und UnvertrÀglichkeiten".

▶ Was Israel angeht, so glaubte Frick nicht, dass das Land ĂŒberstĂŒrzt gehandelt habe, im Gegenteil:

"Israel ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, die StaatsbĂŒrger werden mit hochwirksamem Impfstoff in Rekordzeit durchgeimpft."

 Was die Debatte um Impfprivilegien betrifft, so sei man hierzulande "etwas zu hektisch", meinte Frick. Es brauche "breite öffentliche Debatten, um das grĂŒndlich durchzudenken und Folgen abzuwĂ€gen". In solchen Debatten mĂŒssten möglichst viele Perspektiven eingebracht werden:

"Verfassungsrechtler, Ethiker, Immunologen, PatientenanwÀlte und andere Fachleute". Auch datenschutztechnisch gebe es noch "viel KlÀrungsbedarf".

Frick plĂ€dierte fĂŒr "einheitliche Regelungen - europa-, bestenfalls sogar weltweit", und dafĂŒr, sich in der Debatte um Impfprivilegien "Zeit zu nehmen".