­čĺČ Tiroler Philosophin warnt bei "Gr├╝nem Pass" vor falschen Signalen

Die Innsbrucker Philosophin Marie-Luise Frick warnt vor Schnellsch├╝ssen, was Privilegien f├╝r gegen Covid-19-Geimpfte, Genesene und Getestete betrifft. ├ťber Impfprivilegien m├╝sse nicht nur aus rechtlicher, sondern auch aus ethischer Perspektive diskutiert werden. Bevor nicht wissenschaftlich bewiesen sei, dass die verwendeten Impfstoffe vor der Ansteckung anderer sch├╝tzen, w├╝rde man mit Impfprivilegien riskieren, "falsche Signale" zu senden, meinte Frick im APA-Interview.

Ծ´ŞĆ Es g├Ąbe noch viel Kl├Ąrungsbedarf, so die auf Rechtsphilosophie und Ethik spezialisierte Professorin. Auch wie lange der Schutz durch Impfungen anh├Ąlt, sei noch nicht gekl├Ąrt. Studien der zugelassenen Impfstoffe w├╝rden "schlie├člich noch laufen", war die Philosophin der Meinung.

Damit teile sie die Bedenken des Deutschen Ethikrats, der im J├Ąnner 2021 in einer Pressemitteilung betonte, dass sich "zum gegenw├Ąrtigen Zeitpunkt" die "individuelle R├╝cknahme staatlicher Freiheitsbeschr├Ąnkungen" schon allein deshalb verbiete, "weil die M├Âglichkeit einer Weiterverbreitung des Virus durch Geimpfte nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden kann".

Ծ´ŞĆ Im geplanten EU-Entwurf seien Privilegien nicht nur f├╝r Geimpfte, sondern auch f├╝r Genesene und Getestete vorgesehen, bezog sich Frick auf die aktuellen Debatten. Letztere sah sie als eine "benachteiligte Gruppe", da der "Gr├╝ne Pass" f├╝r getestete Personen "nur f├╝r Tage g├╝ltig sein d├╝rfte".

Der Entwurf werfe jedenfalls "eine Vielzahl an Fragen" auf. Vor allem m├╝sse man "die Aussagekraft" eines "Gr├╝nen Passes" bedenken. Sie f├╝rchte, dass hier etwa Anreize gesetzt werden k├Ânnten, die Menschen dazu animieren k├Ânnten, sich anstecken zu lassen, um dann - zumindest ├╝ber einen gewissen Zeitraum - mehr Freiheiten zu genie├čen.

"Gerade junge Menschen, die am l├Ąngsten auf die Impfung warten m├╝ssen, k├Ânnten sich sagen, bevor ich t├Ąglich teste, hole ich mir die Infektion und habe dann einen 'Gr├╝nen Pass', der mehrere Monate g├╝ltig ist."

Ծ´ŞĆ Zus├Ątzlich ortete die Philosophin "eine Ungleichbehandlung, die begr├╝ndungsbed├╝rftig ist". Besonders heikel sei, dass aufgrund des "schleppenden Impftempos" viele Menschen nicht geimpft werden, die sich aber gerne impfen lassen w├╝rden. Solange es zu wenig Impfstoff gibt, werde die Ungleichheit zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften "durch die politischen Entscheidungstr├Ąger erzeugt", erkl├Ąrte Frick.

"Der Staat entscheidet letztlich, wer wann in die Elite aufgenommen wird und als Geimpfter mehr Freiheit genie├čt."

Zudem m├╝sse man auch bedenken, dass einige Bev├Âlkerungsgruppen gar nicht geimpft werden k├Ânnen:

"Schwangere, Jugendliche unter 16 Jahren oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen und Unvertr├Ąglichkeiten".

Ծ´ŞĆ Was Israel angeht, so glaubte Frick nicht, dass das Land ├╝berst├╝rzt gehandelt habe, im Gegenteil:

"Israel ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, die Staatsb├╝rger werden mit hochwirksamem Impfstoff in Rekordzeit durchgeimpft."

 Was die Debatte um Impfprivilegien betrifft, so sei man hierzulande "etwas zu hektisch", meinte Frick. Es brauche "breite ├Âffentliche Debatten, um das gr├╝ndlich durchzudenken und Folgen abzuw├Ągen". In solchen Debatten m├╝ssten m├Âglichst viele Perspektiven eingebracht werden:

"Verfassungsrechtler, Ethiker, Immunologen, Patientenanw├Ąlte und andere Fachleute". Auch datenschutztechnisch gebe es noch "viel Kl├Ąrungsbedarf".

Frick pl├Ądierte f├╝r "einheitliche Regelungen - europa-, bestenfalls sogar weltweit", und daf├╝r, sich in der Debatte um Impfprivilegien "Zeit zu nehmen".