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Bischof im Chat

Der TT-Chat mit dem Innsbrucker Bischof Hermann Glettler

Von Corona-Krise bis Ostern: Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler stand am Donnerstag im Live-Chat auf TT.com Rede und Antwort.

Hier können Sie alle Fragen und Antworten nachlesen: 

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Frage

Herr Bischof, viele Menschen haben ihre Arbeit schon verloren oder sind in Kurzarbeit. Die Angst vor der Zukunft wächst. Was sagen Sie diesen Menschen?

Hermann Glettler:

Ich verstehe diese Ängste. Wir können sie nicht wegreden. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig auch und gerade in den vielen Momenten der Ohnmacht nicht alleine lassen.

Viele Rettungsschirme sind schon aufgespannt worden, aber es wird noch zusätzliche brauchen. Ein Netz, das auch und speziell in Krisenzeiten trägt, ist unser Glaube. Ich nehme die Ängste von uns allen bewusst ins Gebet mit hinein.

Von Alfred Delp, dem Jesuiten, der 1945 im KZ ermordet wurde, gibt es den markanten Satz: "Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt." In diesem Sinn - Zuversicht! Wir dürfen uns von Ängsten auch nicht auffressen lassen.

Frage

Sie selbst und auch die Diözese sind auf Facebook und Instagram sehr aktiv. Wie wichtig sind für Sie die Social-Media-Kanäle auch zur Glaubensvermittlung? Entwickelt sich auch ein Dialog mit ihren Followern?

Hermann Glettler:

Für uns in der Pastoral und Seelsorge - ähnlich wie für alle, die in sozialen Berufen tätig sind - ist die aktuelle Situation nicht leicht. Von unserem Auftrag her ist Nähe, auch physisches Nahesein notwendig, aber aufgrund der aktuellen Maßnahmen nicht möglich.

Die Social-Media-Kanäle sind deshalb jetzt ganz wertvoll. Es ist eine Chance, doch miteinander gut zu kommunizieren und auch Impulse des Glaubens zu geben. Außerdem kann jeder User auch Nähe und Distanz zu den Angeboten selbst wählen.

Ja, viele Glaubensimpulse sind jetzt im Netz. Das meiste wird hoffentlich auch qualitätsvoll sein. Ich kann nur einladen, maximal davon zu profitieren.

Ich selbst bin mit dem Mittagsgebet auf Facebook (heute wird es BV Jakob Bürgler übernehmen) ja auch ein neuer Anbieter. Mein Instagram Accont ist schon länger online. bischof_hermann Da gibt es auch ein wenig Kommunikation mit den Followern. Vernetzen und sich im Glauben gegenseitig zu stärken, ist immer wichtig.

Frage

Posten Sie Ihre Einträge auf Instagram eigentlich selbst?

Hermann Glettler:

Immer selbst. Das ist eine kleine Lockerungsübung und ein virtuelles Kontaktaufnehmen mit vielen Personen, die ich sehr schätze.

Frage

Was würden Sie jungen Menschen in dieser Situation raten, die mit Unsicherheit und Angst und auch mit dem Verzicht auf ihr "normales" Leben kämpfen? Was können Sie selbst aus der derzeitigen Situation von anderen Menschen lernen?

Hermann Glettler:

Danke für die Frage. Kinder und junge Leute werden im gesamten Krisendiskurs leicht übersehen. Es ist für Jugendliche auch nicht leicht, sich in dieser Situation zu bewähren - keinen physischen Kontakt mit Freunden zu haben, vielleicht auch mit dem E-Learning nicht allzu viel Spaß, und je nach Wohnsituation auch nicht die idealen Freiräume für sportliche Betätigung zu haben.

Die katholische Jugend unserer Diözese bietet einiges auf unserer Homepage an, worauf ich hier sehr gerne verweise. Mit viel Kreativität geben sie Impulse zu sozialem Vernetzen, Spaß haben. Und: Sie vermitteln auch Mut, die tieferen Fragen zuzulassen. Glaube trägt. Jesus ist gerade für junge Leute eine faszinierende Person, die es wieder zu entdecken gilt.

Ich selbst lerne jetzt auch sehr viel, weil ich über den sozialen Schulterschluss staune, den es in unserer Gesellschaft gibt. Ich lerne auch, dass ein Weniger an Veranstaltungen heilsam sein kann. Weniger Aktivität, dafür mehr Zeit und Ruhe für einen Weg nach innen.

Frage

Was tut die Katholische Kirche - und auch die Diözese Innsbruck selbst -  ganz konkret, um den Menschen, die durch die "Corona-Krise" in Not geraten sind, zu helfen?

Hermann Glettler:

Wir haben als Diözese zusammen mit dem Land Tirol die Corona-Sorgen-Hotline eingerichtet. Zuhören ist das erste und wichtigste Geschenk, das wir einander machen können. Tel. 0800 400 120

In den Pfarren und anderen kirchlichen Einrichtungen gibt es aktuell viele Initiativen, um den Menschen trotz der äußeren Distanz nahe zu sein. Auch die spirituellen Angebote in den Sozialen Medien sind ein wichtiger Dienst, um den Menschen Herzensenergie und Durchhaltevermögen zu vermitteln.

Die Krankenhausseelsorge ist - unter den gegebenen Umständen - besonders gefragt. Besonders hilfreich ist sie jetzt auch für das medizinische und pflegerische Personal.

Unsere Caritas hält fast alle ihre Dienste aufrecht. Vor allem Sozialberatung und Unterstützung von Familien, die mit Pflege oder mit der Betreuung von geistig oder körperlich beeinträchtigten Menschen herausgefordert sind, sind jetzt besonders gefragt. Auch die meisten übrigen Einrichtungen für die Schwächsten in unserer Gesellschaft hält die Caritas aufrecht. Allen, die dies mit ihrer Spende unterstützen können, bin ich sehr dankbar.

Menschen in Not werden von uns als Kirche ganz selbstverständlich im Gebet mitgetragen. Das ist eine innere Verbundenheit, die jetzt besonders wertvoll ist. Beten hat immer eine solidarische Dimension. Wir tragen einander - und hoffen auf Gottes innere Stärkung. Auch alle Gottesdienste, selbst wenn sie jetzt nur stellvertretend ohne direkte Anteilnahme der Gemeinde gefeiert werden, sind immer eine Bitte um Segen für Alle!

Ich habe zu Beginn der Krise ein spezielles Corona-Gebet verfasst, das ich ihnen auch gerne anbiete.

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