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TT-Chat zur Corona-Impfung mit Med. Mikrobiologe Reinhard Würzner

Der Medizinische Mikrobiologe Reinhard Würzner von der Medizinischen Universität Innsbruck beantwortete am Mittwoch im Live-Chat die Fragen der TT-Leser zur Corona-Impfung. Hier gibt es die Fragen und Antworten zum Nachlesen.

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Frage

Was passiert, wenn jemand gerade eine Infektion durchmacht oder gerade eben durchgemacht hat, ohne Symptome, und geimpft wird?

Reinhard Würzner:

Wenn man sie gerade unbemerkt durchmacht, wird die Impfung zu spät kommen und die Erkrankung nicht mehr beeinflussen können. Aber sonst hat das auch keine negativen Folgen.

Wenn man es gerade durchgemacht hat, soll man jetzt nicht geimpft werden. Einerseits, weil man die nächsten Monate wahrscheinlich geschützt ist und andererseits weil andere die Impfung jetzt viel nötiger brauchen.

Frage

Warum ist die Impfung für Kinder unter 14 nicht geeignet? Alle sonstigen Impfungen werden als Säugling geimpft und scheinen somit keine Gefahr für Babys darzustellen. Warum diese Impfung nicht - wenn sie anscheinend immer so unbedenklich ist wie immer gesagt wird ...

Reinhard Würzner:

Alle zugelassenen Impfungen müssen in den Altersgruppen, für die sie zugelassen werden, ausgiebig vorher geprüft werden. Um den Impfstoff rasch auf den Markt zu bringen und weil Kinder unter 16 Jahren weitaus seltener schwer erkranken, hat man sich bei der Austestung auf die Über-16-Jährigen beschränkt.

Weil sie also im Kindesalter nicht ausgetestet sind, dürfen sie in dieser Altersgruppe nicht verwendet werden – wenn sie auch sehr wahrscheinlich gut vertragen und wirksam sein dürften.

Frage

Der neue Impfstoff von AstraZeneca hat eine Wirkung von ca. 75 %, die anderen beiden von 95 %. Heißt das, dass dieser Impfstoff weniger schützt? Welche Wirkung muss ein Impfstoff haben, dass ich ausreichend geschützt bin?

Reinhard Würzner:

Der Impfstoff von AstraZeneca wurde von der Europäischen Zulassungsbehörde noch nicht zugelassen, weil noch einige Details – unter anderem zur Wirksamkeit – fehlen.

Die WHO hat eine mindestens 50-prozentige Wirkung als Voraussetzung definiert. Die zwei zugelassenen Impfstoffe haben eine publizierte Wirkung von über 90 Prozent. Wie nahe AstraZeneca an die 90 Prozent kommt, wird man nach der Zulassung erfahren. Ob er wirklich weniger schützt, kann daher derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.

Eine 90-prozentige Wirkung bedeutet, dass 9 von 10 Personen wirksam vor Corona geschützt sind. Man hofft, dass die eine Person dann wenigstens einen milderen Verlauf durchmacht.

Frage

Wie wirkt sich die Impfung auf Frauen mit Kinderwunsch bzw. Schwangere aus? Gestern war ein Bericht im Fernsehen dazu und Österreich und Deutschland sind sich da nicht ganz einig …

Reinhard Würzner:

Frauen mit Kinderwunsch können ohne Bedenken geimpft werden. Vor der Zulassung wurden in der Testphase aus Versehen auch Frauen in der Frühschwangerschaft geimpft, wobei es zu keinen kindlichen Schäden gekommen ist. Trotzdem wurden zu wenige Schwangere bisher geimpft, sodass dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden kann – und sie derzeit nicht geimpft werden sollen. Sollte es aber aus Versehen zu einer Impfung kommen, wäre es kein Problem.

In jedem Fall führt die Impfung nicht zur Unfruchtbarkeit.

Frage

Kann nach der ersten Impfung mit z.B. Pfizer bei der zweiten Impfung (ca. 3-4 Wochen danach) auf ein anderes Produkt (zB. Astra oder Moderna) risikolos gewechselt werden?

Reinhard Würzner:

Da das Immunsystem an dem Impfstoff trainiert werden soll, wäre es deutlich besser für die erste und zweite Impfung das identische Präparat zu verwenden. Für spätere Auffrischungen, die sicher notwendig werden, können dann andere Präparate verwendet werden.

Auch wegen des Auftretens von Mutanten gehe ich davon aus, dass ungefähr jährliche Auffrischungen der Impfung nötig sein werden. Dabei werden die Impfstoffe – ähnlich der Grippeimpfung – dann an die jeweils zirkulierenden Viren angepasst – und somit weiter wirksam.

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